OUTSIDERS – Eine ganz alltägliche U-Bahnfahrt

Jakub Kavin die bahn fährt ein

Die Türen öffnen sich und die Gesellschaft steigt ein. Die „Outsiders“ bilden nicht nur ein Abbild des alltäglichen Lebens, das im urbanen Leben in seiner absoluten Vielfalt auftritt, sondern sie sind dieses Leben selbst, das auf der Bühne pulsiert. Die U-Bahnfahrt, die diese vierzehn Menschen erleben, ist die Steigerung des täglichen menschlichen Aufeinandertreffens ins Extreme. Welten prallen auf einander und im geschlossenen Raum des feststeckenden Waggons sind sie gezwungen, Berührungsängste zu überwinden und miteinander zu verschmelzen. Es geht dabei nicht einfach um einen Konsens der sozialen Schichten und der verschiedenen Perspektiven der Gesellschaft, sondern es geht ebenso um die Aufhebung einer Trennlinie zwischen Theater und Alltag, zwischen Schauspiel und Lebenskunst. Die Gesellschaft wird nicht eingeladen, SchauspielerInnen bei der Arbeit zu zusehen, sondern sie erlebt sich selbst im Sichtbar-Werden ihrer eigenen Diversität.
Wenn man die Begegnung der verschiedensten Teile der Gesellschaft denken will, kommt man nicht darum herum, Klischees zu bedienen. Letztlich ist es das, was getan werden muss, um ihren Charakter, ihr stigmatisierendes Wesen, aufbrechen zu können. Was bedeutet es, wenn jemand das Wort „Neger“ in den Mund nimmt? Was geschieht da? Was passiert, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihres Körpers oder ihrer Lebensweise diskriminiert werden? Welche Strukturen sind da am Werk? Das lässt sich nicht durch Ausblendung beantworten. Nur in der Kollision der Normen mit ihren Gegensätze, im unzensierten Diskurs einer sich selbst fremdgewordenen Gesellschaft kann das System des Ausschlusses zerrissen, seziert und verstanden werden. In „Outsiders“ passiert dies in höchstem Maße. Klischees werden bedient, auf die Spitze getrieben, gebrochen, dekonstruiert und vernichtet. Die aufgebauten, festgefahrenen Strukturen zerfallen in der Gefangenschaft der Figuren im Waggon. Die durch ihre sozialen Stigmata zu Außenseitern erklärten sind in ein metaphorisches Innen gesperrt, in der sowohl ihnen als auch den Zuseher_Innen keine Wahl bleibt, als die gesellschaftlich bedingten Trennlinien zu überdenken und zu überschreiten. Auch die Fundamente des Theaters selbst bleiben von dieser Dekonstruktion nicht verschont, wenn SchauspielerInnen und Laien, Profis und Amateure, Geübte und Erstlinge gleichermaßen auf der Bühne stehen und eine Inszenierung möglich machen, die die Türen des intellektuellen Raumes nicht nur aufschließt, sondern sie sprengt.